Die „richtige“ Art, seinen Partner zu kritisieren

Es gibt immer etwas, was uns an unserem Partner stört. Das kann etwas Elementares sein, aber genauso gut nur eine Kleinigkeit – beispielsweise, dass er sein benutztes Geschirr nie in die Spülmaschine räumt. Auch wenn Sie die glücklichste Beziehung der Welt hätten, gäbe es trotzdem etwas, das Sie an Ihrem Partner auszusetzen hätten. Ein nicht gemachtes Bett, herumliegende Klamotten, zu viel verbrachte Zeit auf dem Klo – Menschen sind unvollkommen, daher kommt es in einer Partnerschaft unweigerlich zu Kritik.
Jeder Mensch hat Macken, die jemand anderen – meistens dann den Partner – stören. Doch beachten Sie, dass ihr Partner vielleicht nicht einmal merkt, dass Sie sein Verhalten als störend empfinden. Vielleicht ist es für ihn normal oder er sieht es gar nicht als Problem. Sie dagegen schon. Kritik in der Ehe ist wichtig, damit die Bedürfnisse beider Partner erfüllt werden können. Doch es kommt darauf an, wie sie ausgeübt wird. Das nächste Mal, wenn Ihr Partner sein benutztes Geschirr nicht in die Spülmaschine räumt, sagen Sie dann so etwas wie „Immer muss ich dein Geschirr in die Spülmaschine räumen! Wann machst du das endlich mal selber“? Falls ja, dann müssen Sie damit rechnen, dass dieser Vorwurf mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass Ihr Partner genervt ist – oder zum Streit. Niemand wird gerne kritisiert, und insbesondere Kritik gepaart mit vielen Vorwürfen eskaliert nicht selten in größeren Streitereien.

paarberatunng-hannover-blog
Die „richtige“ Art, seinen Partner zu kritisieren

Paarberatung zum Thema „häufige Kritik“ ist bei vielen Paaren ein Thema

Daher meine Tipps für „gute“ Kritik in Beziehungen:
1. Vermeiden Sie Worte wie „nie“ und „immer“. Es ist fast ausgeschlossen, dass eine Person etwas wirklich immer oder nie macht. Diese Worte sind Pauschalisierungen und lösen bei der anderen Person direkt Widerstand aus. Streichen Sie diese Worte also am besten aus Ihrem Wortschatz.
2. Beziehen Sie Kritik immer auf eine konkrete Verhaltensweise, nicht auf die Persönlichkeit Ihres Partners. Es gibt einen Unterschied zwischen „Bitte räum dein Geschirr in Zukunft in die Spülmaschine“ und „Bitte räum dein Geschirr in die Spülmaschine. Du bist immer so nachlässig“. Letzteres ist ein Angriff auf die Person Ihres Partners und gilt zu vermeiden. Eine Verhaltensweise bestimmt noch lange nicht die Persönlichkeit des Partners und zudem wird Kritik um einiges schlechter aufgenommen, wenn sie das Selbst und somit den Selbstwert der Person bedroht.
3. Niemand mag Kritik. Vor allem in einer Beziehung kann Kritik dazu führen, dass man sich herabgesetzt und nicht mehr wirklich geliebt fühlt – zumindest in dem Moment. Daher kann es schon helfen, vor die formulierte Kritik einen Nebensatz wie „Ich liebe dich, trotzdem würde ich dich bitten, …“ zu stellen. Diese kleine Formulierung kann dazu führen, dass Ihr Partner Ihrer Kritik gegenüber offener wird.

Halten Sie Ihre Kritik also stets konstruktiv, und wenn möglich, liebenswert.

Destruktive Kritik, Nörgeln und das Kritisieren von Kleinigkeiten wird Ihrer Beziehung dagegen auf Dauer schaden. Insbesondere, wenn man genervt ist oder der Partner gewisse Verhaltensweise einfach nicht ändert, greift man oft zu destruktiven Vorwürfen. Dies wird Sie jedoch selten zum Ziel führen.
Aber akzeptieren Sie auch, was Sie nicht ändern können. Selbst wenn Sie nun „richtig“ kritisieren, sollten Sie es nicht immer tun. Zu viel Kritik und ein Meckern über jede Kleinigkeit schaden jeder noch so glücklichen Beziehung. Also empfiehlt es sich, bei manchen Dingen auch einfach mal den Mund zu halten – gerade, wenn Sie etwas schon einmal angesprochen haben. Schweigen kann
helfen, viele unnötige Streits zu vermeiden. Kritik ist nicht in allen Fällen die Antwort. Also behalten Sie stets im Hinterkopf – wie es Gerhard Uhlenbruck bereits treffend formulierte: „Bevor man seine Bedenken äußert, sollte man seine Äußerungen bedenken.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert