Sie könnte kompliziert werden – muss sie aber nicht

Die Beziehung in den Wechseljahren

Ganz gleich, ob wir schon vor langer Zeit mit oder ohne Trauschein „in den Hafen der Ehe“ eingelaufen sind. Ob wir erst seit kurzem in einer Partnerschaft leben oder wir uns als Single gerade für eine neue Verbindung öffnen: Die Wechseljahre bedeuten auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene in vielerlei Hinsicht Veränderungen im Leben einer Frau. Denn während die Hormone im Inneren einen neuen Kurs einschlagen, weht im Außen meist ein anderer Wind, besonders in unserem Beziehungsverhalten. Und dieser Wind vermag in so manchen Bereichen des partnerschaftlichen Zusammenlebens Themen, Handlungen und Reaktionen heraufbeschwören, die alle Beteiligten herausfordern können.

Verschiedene Gründe können in der Zeit des hormonellen Umbruchs zu Konflikten in der Partnerschaft führen. Deswegen ist es besonders wichtig, die Energie in ein vertrauensvolles Miteinander zu investieren und eine aufrichtige Kommunikation zu intensivieren. Gelingt dies, ist es beiden Partner*innen möglich, sich besser zu verständigen, zu akzeptieren, zu gegenseitig zu unterstützen und sich (immer wieder) neu zu entdecken.

die Wechseljahre
die Wechseljahre

Stimmungswechsel: Was passiert da eigentlich im Körper?

Ein kleiner Exkurs in den weiblichen Zyklus macht deutlich, inwieweit Hormone das Leben beeinflussen: Denn zwischen der ersten Menstruation (Menarche) bis zur letzten (Menopause) spielen regelmäßige Befehlsketten zwischen Gehirn und Eierstöcken eine entscheidende Rolle für die weibliche Hormonproduktion. Sehr einfach gesagt: In einem dynamischen und z. B. durch Stress leicht störanfälligen Regelkreis produziert die Hirnanhangsdrüse zwei wichtige Hormone, nämlich LH und FSH. Empfangen die Eierstöcke diese Signale, „wissen“ diese sofort, was zu tun ist und lassen umgehend Eizellen heranreifen. Die Eizellen bilden dann das Hormon Östrogen, das die Gebärmutterschleimhaut aufbaut. Direkt nach dem Eisprung produziert der Follikel schließlich das Gelbkörperhormon Progesteron.

 

Wie wohl sich Frauen fühlen, hängt maßgeblich vom harmonischen Zusammenspiel beider Hormone ab. Östrogen verleiht zum Beispiel Antrieb und Power, strafft die Haut, hält die Schleimhäute feucht, baut und erneuert die Knochensubstanz und schützt sogar das Herz. Außerdem bindet es Wasser in den Zellen, unterstützt das Immunsystem und senkt den Blutzucker. Progesteron hingegen wird auch liebevoll „Hormon des inneren Friedens“ oder auch „Nestbau-Hormon“ genannt, weil es beruhigt und die Nervenzellen positiv beeinflusst. Außerdem wirkt es schlaffördernd, macht gelassener und leitet Wasser aus. Doch was genau hat das jetzt damit zu tun, ob der Haussegen schief oder der Himmel voller Geigen hängt? Tatsächlich eine ganze Menge …

Auf dem Weg ins Abenteuer: Liebe in Zeiten des Wandels

Irgendwann, etwa ab dem 40. Lebensjahr, beginnen die Eierstöcke, die Produktion neuer Eizellen langsam einzustellen. In der Folge können die Östrogen- und Progesteronmengen im Blut ziemlich durcheinandergeraten. Und genau dieses Durcheinander erleben Frauen – und somit auch die Partner*innen – mitunter als als physisch und psychisch belastend. So kann es etwa zu starken Blutungen kommen, zu unregelmäßigen Zyklen, Regelschmerzen, Migräne, Nervosität, Ängstlichkeit und Stimmungsschwankungen. Auch Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungstiefs und Scheidentrockenheit können Zeichen von Hormonverschiebungen sein.

In den 1980er Jahren behaupteten Mediziner, die Wechseljahre seien eine hormonelle Störung, die therapiert werden müsse. Heute ist zum Glück klar, dass die Reduktion der Hormone ein vollkommen natürlicher Prozess ist. Allerdings einer, der nicht immer spurlos an den Frauen vorbeigeht und der die Partner oft ratlos dastehen lässt. Kurz: Diese Zeit kann uns durchaus viel Akzeptanz, Geduld, Offenheit und gegenseitiges Verständnis abverlangen, unabhängig davon, ob wir liiert sind oder nicht.

 

Die Attraktivitätsmerkmale der eigenen Persönlichkeit neu zu entdecken

Jede Frau erlebt die Wechseljahre auf ihre ganz eigene Weise, wissend, dass sie diese Erfahrung mit allen Frauen teilt. Im Gegensatz zu dem, was die Medien häufig suggerieren, sind die Wechseljahre phasenweise jedoch nicht immer leicht zu nehmen. Manchmal fahren die Hormone Achterbahn, und das kostet vor allem im Alltag mitunter nun mal enorm viel Kraft. Viele Frauen wollen sich deshalb nicht mit Hochglanz-Models 50+ vergleichen (müssen), die mit den Körpern von 30-Jährigen mithalten können und damit das eigene, in dieser Lebensphase tendenziell fragile Selbstbild verzerren. Doch tief im Inneren wissen Frauen auch: Es findet eine Metamorphose statt, die es ihnen ermöglicht, das eigene Wesen mit der Zeit vollends zum Ausdruck und zum Strahlen zu bringen. Übrigens: Probleme sind in dieser Zeit kein Muss, ein Drittel der Frauen hat in dieser Phase sogar überhaupt keine Beschwerden.

 

Die Wechseljahre können es mit sich bringen, dass wir einigen, auch unliebsamen Lebensthemen verstärkt Aufmerksamkeit schenken müssen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, sich in der Auseinandersetzung nicht von Selbstzweifeln, Ängsten und negativen Gedankenspiralen gefangen nehmen zu lassen. Stattdessen sollten sich Partnerinnen und Partner ihrer eigenen Bedürfnisse immer bewusster werden. Ja, das kann Konsequenzen nach sich ziehen. Ja, die bisherige Welt wird wahrscheinlich Kopf stehen, zumindest zeitweise. Ja, das Familiengefüge kann einstürzen und sich neu zusammensetzen. Und ja, manchmal taucht das Gefühl auf, alles hinschmeißen zu wollen und einfach das Weite zu suchen … Genau deshalb ist es entscheidend, die eigenen Gedanken und Gefühle immer wieder zu sortieren, sich darüber auszutauschen und den Partner oder die Partnerin kommunikativ in diesen Prozess einzubinden. Die professionelle Beratung hilft dabei, neue kommunikative Wege zu erschließen, die wiederum zu mehr gegenseitigem Verständnis und zur gewünschten Harmonie führen.

 

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